Miteinander ins Gespräch kommen – Kommunikation in Zeiten von Facebook & Co.

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Schnell noch die Mails checken, in der WhatsApp-Gruppe mit den Freunden chatten und abends bei Facebook die Neuigkeiten des Tages abrufen – längst ist der Umgang mit den sogenannten neuen Medien aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Smartphone, Tablet, Notebook und PC können ein inklusives Leben von Menschen mit und ohne Behinderung durchaus erleichtern. Aber bergen sie auch Gefahren? Darüber diskutierten die Teilnehmenden beim 17. Parlamentarierabend der Lebenshilfe Bremerhaven im Forum Fischbahnhof.

Medien nicht verteufeln

„Moderne Technik hilft, Barrieren abzubauen“, da ist sich Dr. Joachim Steinbrück ganz sicher. Der Landesbehindertenbeauftrage war aus Bremen zum Parlamentarierabend nach Bremerhaven gekommen und gehörte damit zu den 140 Gästen aus den Werkstätten der Lebenshilfe, aus Politik, Wirtschaft und vielen sozialen Einrichtungen der Stadt. „Auf Augenhöhe – Barrierefreie Kommunikation in Zeiten von Facebook & Co.“ war der Themenabend überschrieben, ein Motto, das bei allen Gäste viel Anklang fand. „Wir dürfen die neuen Medien auf keinen Fall verteufeln, sondern sollten die Chancen, die sie uns bieten, unbedingt nutzen“, fuhr Steinrück in seiner kurzen Ansprache fort. Das sieht auch Rüdiger Hillje, Vorsitzender der Lebenshilfe Bremerhaven, so. „Es geht nicht mehr ohne Facebook & Co. Das ist ganz klar. Jetzt lernen die Alten von den Jungen. Da müssen wir dran bleiben und zum Beispiel in unseren Werkstätten Fortbildungen zum Thema anbieten“, so Hillje.

„An den Rollstuhl gefesselt“

Welche Möglichkeiten es gibt, Menschen mit Behinderung einen barrierefreien Zugang zu unterschiedlichen Medien zu gewähren, zeigte Melanie Schaumburg während des Parlamentarierabends auf. Die Diplom Sozialpädagogin und Bildungswissenschaftlerin an der Uni Oldenburg thematisierte in ihrem Referat aber auch die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung. „In Pressetexten und TV-Berichten werden Menschen mit Behinderung oft mit negativen Stereotypen belegt. So sind sie ganz selbstverständlich ,… an den Rollstuhl gefesselt‘ oder ,..leiden an ihrer Behinderung‘. Im Artikel 8 der UN-Behindertenrechtskonvention wird genau dieses Thema angesprochen und die Gesellschaft dazu aufgefordert ,… das Bewusstsein für Menschen mit Behinderung zu schärfen und die Achtung ihrer Rechte und ihrer Würde zu fördern ..‘ zitierte Schaumburg. Die Medienwissenschaftlerin zeigte den Gästen an vielen Beispielen auf, welche technischen Möglichkeiten Menschen mit Behinderung nutzen können, um eine Kommunikation auf Augenhöhe selbstverständlich zu machen. Das eben gehörte konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Forum Fischbahnhof dann unmittelbar selbst erproben.

Mitmachen erlaubt

An fünf Mitmach-Stationen luden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebenshilfe und der Albert-Schweitzer-Wohnen und Leben gGmbH die Gäste ein, Praxiserfahrung zu sammeln. So gab es Einblicke in die Wheelmap, Talker-Apps und Sprachassistenten konnten erprobt und das Skypen auf Augenhöhe direkt umgesetzt werden. Viele Spaß hatten die Gäste bei der Erstellung kleiner Trickfilme mit Stop-motion-Technik und auch das Gestalten eines eigenen Comics erwies sich als gute Kommunikationsmöglichkeit. Auch die Theatergruppe der Lebenshilfe hatte sich mit dem Thema Kommunikation beschäftigt und lud zu einer kommunikativen Zeitreise ein. Rauchzeichen, Gebärden und natürlich das Handy – die Schauspielerinnen und Schauspieler von „Alles nur Theater“ vermittelten dem Publikum spielerisch, wie einfach aber auch manchmal beschwerlich das miteinander reden sein kann.
Den Abschluss des Abends bildete eine von Melanie Schaumburg moderierte Podiumsdiskussion, an der neben Rüdiger Hillje und Dr. Steinbrück die Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Lückert, der Stadtrat für Menschen mit Behinderung, Uwe Parpart, die Vorsitzende des Inklusionsbeirats Bremerhaven, Heima Schwarz-Grote und der Geschäftsführer der Albert-Schweitzer- Wohnen und Leben gGmbH, Helge Treiber, sowie Yvonne Knoche (Werkstattrat) und Peter Dardat (Bewohnerrat) teilnahmen. Fazit der Runde: Es gibt noch viele Aspekte, die es zu bearbeiten gilt, nur gemeinsam lässt sich eine barrierefreie Zukunft gestalten und „da sind wir auf einem guten Weg“, so die Podiumsgäste.
Eine Auswahl der am Abend entstandenen Trickfilme ist auf der Lebenshilfe-Seite bei youtube zu sehen.

Text: Martina Löwner

Fotos: Ralf Masorat

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Von | 2018-06-14T13:12:55+00:00 Juni 14th, 2018|Aktuelles, News|Kommentare deaktiviert für Miteinander ins Gespräch kommen – Kommunikation in Zeiten von Facebook & Co.